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Der berühmteste Zigarrenraucher der Welt ist wohl Fidel Castro gewesen. Doch auch andere bekannte Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht, Alfred Hitchcock, Arnold Schwarzenegger oder Karl Marx pafften gern und viel. Zigarren sind ein aus Tabak gerolltes Genussmittel, welches langsam geraucht wird und vor allem bei Männern, aber nicht nur, sehr beliebt ist. In Europa wurde Tabak, nachdem er durch Entdecker mitgebracht wurde, zunächst nur als Heilkraut eingesetzt. Erst viel später, als der Orient und Nordamerika entdeckt wurden, übernahmen die Europäer die Sitte, Tabak auch zu rauchen. Napoleons Armeen verbreiteten die Zigarre dann in Europa. Doch wie werden Zigarren hergestellt? Wir wollen euch die Herstellung von Zigarren in diesem Artikel etwas näher erklären.

Bevor es losgehen kann…

Die Herstellung von Zigarren ist ein sehr komplexer und langwieriger Prozess. Bei der Zigarrenherstellung kann nur in sehr geringem Maße auf maschinelle Fertigung zurückgegriffen werden. Die meisten Zigarren werden in reiner Handarbeit hergestellt. Der Fachbegriff dafür lautet totalmente a mano. Bevor die Zigarren jedoch gerollt werden, muss der Tabak noch einige Schritte durchlaufen.

Jede Tätigkeit wird hier von spezialisierten Personen, den Tabaqueros, ausgeführt. Nach der Ernte werden die Tabakblätter gebündelt und hängend getrocknet. Diese Bündel nennt man Gavillas. Während die Tabakblätter hängen, werden sie fermentiert. So werden die Bitterstoffe und die ungenießbaren Stoffe aus den Blättern gezogen. Dieser Reifeprozess dauert mindestens mehrere Monate, kann aber auch über Jahre hingezogen werden. In der Zeit der Ablagerung entwickeln sich die besonderen Aromen des Tabaks. Deswegen ist auch sehr lang gelagerter Tabak, am aromatischsten und kommt in die besten Zigarren der Welt. Nach der Reifung sind die Blätter dann bereit für die weitere Verarbeitung.

Die Herstellung von Zigarren – Die Vorbereitung des Deckblatts

Die abgelagerten Tabakblätter werden in die Manufakturen gebracht und dann unterschiedlich behandelt. Vor allem die Deckblätter der entstehenden Zigarren bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. In ihnen befinden sich ein Großteil der Aromen, die dann für den Geschmack der Zigarre verantwortlich sind. Aber sie sind eben auch für das Aussehen der Zigarre verantwortlich, da sie die Einlage und das Umblatt umschließen. Schon am frühen Morgen werden sie befeuchtet, damit sie geschmeidig und glänzend werden. Als Nächstes entfernen die Despalilladoras die Mittelrippe aus den Tabakblättern. Jedes Deckblatt halbieren sie dabei. Diese Arbeit machen vor allem Frauen, meist auf ihren Oberschenkeln. Daher kommt wohl die kleine Mär, dass eine Zigarre auf den Schenkeln junger Frauen gerollt werden und daher so köstlich schmecken. Die Rezagadoras sortieren dann die Blätter nach Struktur, Größe und Farbe. Das Deckblatt ist nun fertig vorbereitet und wir schauen uns die weiteren Zutaten, die eine Zigarre benötigt, an.

Die Auswahl weiterer Tabakblätter

Bevor das Deckblatt die einzelnen Lagen einer Zigarre umschließen kann, müssen die Blätter für die Mischungen, die dem Torcedero (die Person, die die Zigarre rollt) ausgesucht werden. Der Ligador stellt eine Mischung aus drei unterschiedlichen Blattsorten, die von verschiedenen Stellen der Pflanze stammen, zusammen. Die Volados sind die milden Blätter, die für ein gutes Abbrennen der Zigarre sorgen. Die Seco-Blätter stammen aus der Mitte der Pflanzen und sind neben dem Deckblatt die Aromaträger der Zigarre. Die kleinen Ligeros von der Spitze der Tabakpflanze hauchen der Zigarre die nötige Portion Stärke ein. Diese Mischung übergibt er dann dem Torcedores, der daraus dann circa 50 Zigarren daraus rollen kann.

Tabakblätter

Die eigentliche Herstellung von Zigarren – Das Rollen

Zur Herstellung von Zigarren legt sich der Torcedero zwei oder drei Umblätter zurecht und nimmt sich aus der Mischung von Volado, Seco und Ligero die benötigten Blätter für die Einlage. Die Einlage faltet er kunstvoll, damit genug kleine Kanäle den rauch durch die Zigarre leiten können. Diese Einlage wickelt er dann in die Umblätter. Entstanden ist der sogenannte Wickel. Torcederos sind traditionell Männer, erst spät kamen auch Frauen in diese Domäne und rollen nun auch Zigarren. Nachdem der Wickel noch mit einer Presse nachgeformt wird, ist er bereit für die Ummantelung mit dem Deckblatt.

Mit einem Winkelmesser, genannt Chaveta, schneidet der Zigarrenroller nun das Deckblatt sichelförmig zurecht und rollt es um den Wickel. Mit einem aus speziellen Pflanzen gewonnen Kleber wird am Ende der Zigarre das Deckblatt zu einem kleinen Teil festgeklebt und dann zu einem runden Kopf geformt. Bei der amerikanischen Methode hingegen stanzen die Roller einen kleinen Teil aus dem Deckblattrest aus und bedeckt dann das Mundstück. Zum Schluss wird die Zigarre und das Brandende noch mit der Guillotine auf die richtige Größe zugeschnitten. Alle sin allem dauert das Rollen bei einem erfahrenen Torcedero nur wenige Minuten. Es gibt auch Zigarrenmanufakturen, in denen das Fertigen der Wickel und das Ummanteln mit dem Deckblatt noch einmal auf zwei Spezialisten aufgeteilt ist.

Keine Zigarre ohne Qualitätsprüfung

Nun ist die Zigarre fertig und kann in die Kiste, oder? Nein, noch ist es nicht soweit. Jede einzelne Zigarre wird einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Einerseits unterziehen die Controladors jede Zigarre einer optischen Prüfung. Passt Form, Farbe, Länge, Gewicht und Umfang nicht, dann gibt der Kontrolleur sie nicht für den Export frei. Ein Catador oder auch Tasador zieht ab und an aus einem Bündel eine Zigarre heraus und raucht sie. Die Zigarren, die ihr in eurer Schatzkiste habt, werden also auch auf ihren Geschmack hin überprüft. Nach bestandener Prüfung dürfen die Zigarren in den Klimaraum, in dem sie für mehrere Monate in Regalen aus Zedernholz lagern. Hier wird ihnen die Feuchtigkeit, die bei der Herstellung von Zigarren zugeführt wurde, wieder entzogen. In der klimatisierten Escaparate können besonders teuere und hochwertige Zigarren auch mehrere Jahre gelagert werden, ehe sie den Weg zum Konsumenten finden.

Die finalen Schritte bis zur Verpackung in die Zigarrenkiste

Nach einer angemessenen Lagerungszeit werden die Zigarren nun in die Kisten verpackt. Aber nicht sofort! Erst sortiert ein Mitarbeiter der Manufaktur, der Escogedor, die Zigarren nach ihrer Deckfarbe. Durch das Vorsortieren gelangen nur Zigarren mit gleichfarbigen Deckblättern in eine Kiste. Jetzt erst werden die typischen Bauchbinden angebracht. Diesen letzten Schritt an der eigentlichen Zigarre erledigen wieder Frauen – die Anniladoras. Nun werden die teuren Stücke auch endlich in die Kiste gepackt. Entweder nur Zigarren einer Deckblattfarbe oder auch verschiedene. Packt der Encajetillador verschiedenfarbige Zigarren in die Kiste, sortiert er diese ganz genau in absteigender Farbgebung hinein. Als letzten Schritt werden die Zigarrenkisten mit den Qualitätssiegeln, Garantiestempeln, und meist einer Lithographie versehen und treten ihre Reise zu den Tabakliebhabern an.

Qualitätsprüfung Zigarren

So lang und hoch komplex ist also der Weg von der Tabakpflanze zur Zigarre. Wenn ihr euch die nächste Zigarre ansteckt, werdet ihr ganz sicher an die Menschen denken, die an ihr gearbeitet haben. Welche vielen verschiedenen Formen und Formate von Zigarren es gibt, wie man sie anschneidet und raucht, welche Zigarre die beste und welche für Einsteiger am besten ist und noch viel mehr erfahrt ihr bei uns im Blog in vielen weiteren Artikeln. Jetzt lehnt euch aber gern zurück und genießt eure Zigarre – vielleicht mit einem Whisky, Weinbrand oder Rotwein. Welche Alkoholika am besten zu Zigarren passen, haben wir natürlich auch schon für euch herausgefunden.

Wissenwertes über die Herstellung von Zigarren
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