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Der Tabakanbau dient der Gewinnung von Rohtabak, der dann für die Herstellung der verschiedenen Tabakprodukte wie Zigarren, Zigaretten, Pfeifentabak, aber auch Schnupf- und Kautabak dient. Tabak wird weltweit angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in Europa Amerika und in China. In manchen Regionen ist der Tabakanbau besser möglich als in anderen. Als weltweit bester Ort für den Tabakanbau gilt die Vuelta Abajo in Kuba. Wir wollen euch heute den Anbau und die Ernte von Tabak ein bisschen näher bringen. Dafür betrachten wir den Tabakanbau, die Ernte, Trockung und Fermentation am Beispiel der Tabakverarbeitung zur Zigarre, da diese am aufwändigsten ist. In den Grundsätzen ist die Gewinnung von Rohtabak aber für alle Tabakprodukte gleich.

Die Tabakpflanze

Wie die Kartoffel oder die Tomate gehört die Tabakpflanze (Nicotiana tabacum) zur Familie der Nachtschattengewächse. Der wissenschaftliche Name geht auf den französischen Botschafter Jean Nicot zurück, der in Portugal stationiert war. Nicot war Universalgelehrter, Musiker und Botaniker und hörte von Seefahrern von der heilenden Kraft der Tabakpflanze, pflanzte sie selbst an und brachte sie an den französischen Hof.  Der Wirkstoff Nikotin wurde nach ihm benannt. Das Nikotin wird in den Wurzeln der Pflanze gebildet und in die Blätter transportiert. Es dient der Tabakpflanze als Insektenschutz.

Tabakpflanzen können bis zu drei Meter hoch und zwei Kilogramm schwer werden. Sie gedeiht in einem relativ lockeren Boden, der die Nährstoffe gut in die Pflanze transportieren kann. Außerdem braucht die Pflanze es relativ warm für ihr Wachstum. Am besten gedeiht sie Tabakpflanze bei 15 bis 23 Grad. Frost verträgt sie, wie zum Beispiel auch die Kaffeepflanze, überhaupt nicht. Die Pflanze benötigt ungefähr 200 bis 900 Liter Wasser und fühlt sich am wohlsten in einer Luftfeuchtigkeit von 65. Prozent.

Die verschiedenen Blätter der Tabakpflanze

Eine Tabakpflanze wird in sechs Etagen unterteilt. Von der Spitze bis zur Bodennähe betrachtet, sind dies:

  • corona (ganz oben)
  • centro gordo (dicke Mitte)
  • centro fino (dünne Mitte)
  • centro ligero (leichte Wurzel)
  • uno y medico (eineinhalb)
  • libre de pie (Der Fuß)

Zusätzlich werden die Blätter noch nach Farbe, Größe und Textur in drei Klassen unterschieden.

Die Volada-Blätter im unteren Teil der Tabakpflanze bekommen den meisten Schatten und sind daher die mildesten Tabakblätter. Sie werden bei Zigarren hauptsächlich für die Einlage verwendet. Manche kräftige Volada-Blätter dienen auch als Umblatt.

Seco-Blätter nennt man solche aus dem Mittelteil der Pflanze. Sie sind sehr aromatisch und sind mittelstark. Auch sie werden für Einlage und Umblatt verwendet und sind hauptverantwortlich für das Aroma der Zigarre.

Die Ligero-Blätter findet ihr am oberen Teil der Pflanze. Sie sind die stärksten und kräftigsten, denn sie bekommen die meiste Sonne ab. Mit ihrer besonderen Süße und dem starken Aroma geben sie Zigarren die gute Portion Stärke.

Der Tabakanbau

Vor dem Tabakanbau kümmern sich die Tabakbauern intensiv um den Boden, auf dem die Setzlinge ausgebracht werden sollen. Immer wieder wird der Boden gepflügt, um die lockere Bodenbeschaffenheit, die die Tabakpflanze benötigt, zu schaffen. Nur so kommen die Nährstoffe, die für ein angenehmes Brandverhalten der Zigarre sorgen, in die Blätter. Nachdem von den Tabakpflanzen das Saatgut (pro Pflanze etwa 5 bis 20 Gramm) gewonnen wurde, wird es in geschützten Ebenen Anfang September in die Erde gebracht. Ungefähr 800 Pflänzchen entstehen und werden nach 45 Tagen dann noch einmal umgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt sind sie etwa 15 bis 20 Zentimeter groß.

Nach dem Umsetzen werden bei den meisten Pflanzen die Blüten recht schnell entfernt. Die Tabakpflanze wird geköpft, damit die volle Energie in das Wachstum der Blätter fließen kann. Nach weiteren 45 Tagen hat die Tabakpflanze dann ihre vollständige Größe erreicht. Sind die Pflanzen erst einmal auf der Plantage, erfordert der Tabakanbau ständige Aufmerksamkeit. Die Tabakbauern, die Vegueros, entfernen ständig Unkraut, achten auf Schädlinge und genügend Wasser. Der Tabakanbau dauert insgesamt ungefähr vier Monate bis die Arbeiter mit der Tabakernte beginnen.

Tabakanbau

Anbaumethoden

Es gibt grundsätzlich zwei Anbaumethoden für den Tabak. Unter Stoffbahnen wird der Tabak beim tabaco tapado angepflanzt, um die empfindlichen Blätter vor der Sonne zu schützen. So wachsen ganz gleichmäßige dünne Blätter, die eigentlich fast ausschließlich als Capa verwendet werden. Capa nennt man das Deckblatt bei der Zigarrenherstellung. Ein bekanntes Beispiel für diese Pflanzen sind die Corojo-Pflanzen, die in Kuba für die weltberühmten Zigarren verwendet werden.

Direkt unter der Sonne entwickelt sich der tabaco del sol. Durch das sehr frühe Entfernen der Blüten bilden sich in den Blättern herausragende Aromen, die sich als Einlage und Umblatt in der Zigarre entfalten .Je nach Zigarrensorte werden sie aber auch als sehr würzige Deckblätter verwendet. Prominentes Beispiel für diese sind die kubanischen Criollo-Pflanzen.

Die Ernte der Tabakpflanzen

Wenn die Tabakpflanze vollständig ausgewachsen ist, beginnen die Arbeiter mit der Ernte. Diese kann sich sechs bis acht Wochen hinziehen, da sich die Blätter in unterschiedlichen Reifestadien befinden. Bei der Tabakernte für die Herstellung von Zigarren werden die Blätter stufenweise von unten nach oben von der Pflanze mit der Hand gepflückt. Diese Erntemethode nennt man auch Picking. Sie werden noch grün geerntet, gerade kurz bevor sie sich hell verfärben. So halten die Bauern den Zucker- und Stärkegehalt niedrig.

Auf großen Flächen in den USA, aber auch in Europa und China, wird auch maschinell geerntet. In einigen Ländern wird auch die ganze Pflanze geerntet, allerdings kann man daraus keine Zigarren herstellen, weil die Blätter so nicht einzeln ausgesucht und gleich bei der Ernte sortiert werden. Für Schneidegut-Tabake wie Zigarettentabak ist diese schnelle und unkomplizierte Erntemethode aber durchaus üblich.

Tabakverarbeitung

Die grünen Tabakblätter werden natürlich noch nicht zur Zigarre oder zum Pfeifentabak. Noch einige Monate werden vergehen, ehe die aromatischen Rollen entstehen oder der Tabak geschnitten wird. Die letzten beiden Schritte, die dem Tabakanbau und der Tabakernte folgen, sind Trocknung und Fermentierung.

Die Trocknung

Die geernteten Blätter hängen die Tabakbauern nun auf Schnüren zum Trocknen auf. Die aufgefädelten Blätter werden nun in Tabakschuppen, den Casi de Tabaco, zum Trocknen aufgespannt. Die Trocknungsphase zieht sich eine ganze Weile hin. Mit der Zeit werden die Holzstangen, an denen die Arbeiter die Schnüre befestigt haben, immer weiter nach oben gehängt. Dadurch und durch das ständige stoßweise Belüften der Casa de Tabaco wird eine gleichmäßige Feuchtigkeit und Temperatur der Blätter garantiert. Zigarrentabake werden immer mit der Methode der Lufttrockung nach der Tabakernte weiter verarbeitet. Es gibt aber auch noch drei weitere Trocknungsarten. Eine weitere Variante der natürlichen Trocknung ist die Sonnentrocknung, bei der die Blätter auf dem Boden ausgebreitet werden. Die Röhrentrocknung und die Feuertrocknung sind künstliche Trocknungsarten für Tabak. Außer bei speziellen indonesischen Tabaken, wie dem Sumatra oder dem Besuki, die über Holzfeuern getrocknet werden, werden die künstlichen Trocknungarten nicht für Zigarren angewendet.

50 Tage dauert es ungefähr bis die Tabakblätter eine goldbraune Farbe angenommen haben. Diese bekommen sie, weil sich der Tabak schon im Prozess der Trocknung in seiner chmeischen Zusammensetzung ändert. Eiweiß, Zucker, Nikotin und Stärke werden nach und nach abgebaut. Tabakblätter müssen zwischen vier und zehn Wochen trocknen. Nach der Trocknung enthalten die Blätter nur noch ungefähr 25 Prozent Wasser. Nun werden sie noch einmal sortiert und zu Stapeln aufgeschichtet. Diesen Arbeitsschritt zur Vorbereitung der Fermentierung nennt man Zafado.

Zigarren auf Kuba

Die Fermentation

Die Fermentierung des Tabaks ist die letzte Stufe, bevor Tabak geschnitten oder eben die Zigarren gerollt werden. Dafür bringen die Arbeiter die Burros, so nennt man die Stapel aus Tabakblättern, in spezielle Fermentationshäuser. Die bei der Trocknung begonnenen enzymatischen und chemischen Prozesse laufen nun weiter. Im Prozess der Fermentierung reduziert sich der Nikotingehalt noch einmal, unerwünschte Eiweißstoffe und eventuelle Pflanzenschutzmittel verflüchtigen sich. Während der Fermentierung bilden sich weitere besondere Aromen, die wir an der Zigarre so schätzen. Die erste Phase der Fermentation dauert mindestens 30, meist aber um die 45 bis 60 Tage, in der die Blätterstapel durch das Eigengewicht Temperaturen von 35 Grad entwickeln. Daher schichten die Tabakbauern die Burros auch immer wieder um, denn sie dürfen nicht zu heiß werden.

Nun sortieren die Tabakarbeiter die Blätter noch einmal nach Größe, Farbe und Textur und geben sie an die Despolilladores weiter. Die Frauen entrippen die Blätter und bestimmen, welche Blätter für die endgültige Verarbeitung in den zweiten Fermentationsdurchgang kommen. Die Arbeiter besprühen die Blätter mit Wasser und decken sie mit einem Sackbezug ab. In der Fachsprache heißt das Besprühen Casing. Je nach Blattart, Seco, Valado und Ligero, wie wir oben gelernt haben, dauert die zweite Fermentation unterschiedlich lang. Mit Palmenrinde umwickelt, gehen die Tabakblätter dann in großen rechteckigen Ballen auf die Reise in die Fabrik oder in Lagerhallen, in denen die Ballen durchaus noch einmal bis zu mehreren Jahren, meist aber nur Monate liegen und reifen.

Ihr seht, der Tabakanbau und die Weiterverarbeitung des geernteten Rohtabaks bedarf viel Zeit und großer Sorgfalt, ehe er in die Hände der Zigarrenroller kommt. Wie aus diesem, mehrere Monate, manchmal sogar Jahre gereiftem außerordentlichen Naturprodukt dann die fertige Zigarre wird, erfahrt ihr in unserem Artikel über die Herstellung von Zigarren.

Tabakanbau und Ernte für Zigarren
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